Schutzengel

Es war an einem Freitag, wir hatten beide frei und wollten zum Einkaufen. Alles war wie immer. Nichts deutete darauf hin, das heute noch was schreckliches passieren würde. Kurz bevor wir gingen, war ich noch mal auf dem Balkon, ich kippte die Tür. Wenn wir nicht lange weg sind, machten wir das immer. Also so auch an diesem Tag. Wir gingen weg, erledigten unsere Einkäufe. Meine Frau sagte noch im Auto, heute kommt die Müllabfuhr. Da wird der Winni wieder Angst haben. Es ist nämlich so, das er Panische Angst hat wenn er das Geräusch vom Müllauto hört. Warum das so ist wissen wir leider nicht. Vielleicht ist es auch das Geräusch der Mülltonnen. Denn er war ja ein Fundtier, das kann ja damit zusammen hängen. Und jedes mal am Freitag wenn die Mülltonnen geleert werden, ist er ganz außer sich und weiß nicht so genau wo er hinlaufen soll. Fährt der Müllwagen wieder weiter, ist alles wieder o.k. Wir waren 1½ Stunden unterwegs. Als wir wieder zu Hause ankamen und die Wohnungstür aufschlossen, bot sich uns ein Bild des Schreckens. Meine Frau: O`Gott der Winni ist in der Balkontür eingeklemmt. Als er unsere Stimmen hörte, fing er sofort an jämmerlich zu Miauen. Ich wusste im ersten Moment gar nicht was ich tun sollte. 

Er hatte sich schon ziemlich tief nach unten eingezwängt. Beherzt griff ich ihn im Genick und zog ihn nach oben hin heraus. Auf dem Boden angekommen sah man ein Häufchen elend, das sein Hinterteil nicht mehr bewegen konnte. Er miaute ganz erbärmlich und robbte ein Stück durch die Wohnung. Ab Mitte von seinem Körper Richtung Hinterteil, konnte er nichts mehr bewegen. Sofort den Tierarzt angerufen sagte dieser, wir sollten doch gleich vorbeikommen. In der Praxis angekommen kümmerte er sich sofort um unseren Winni. Er meinte wir müssen sicher gehen, das das Rückenmark nichts ab bekommen hat. Und Röntge ihn gleich.

In der Zwischenzeit bekam er 2 Spritzen. Er erklärte uns das in den meisten Fällen dieser Art, die Tiere gelähmt bleiben. Das heißt, das die Tiere dann keine Kontrolle mehr über ihre Blase und Darm haben. Was wiederum bedeutet, das man das Tier einschläfern muss. Alleine dieser Gedanke machte uns doch ganz schön zu schaffen. Wir waren beide ganz schön fertig. Als die Röntgenbilder fertig waren, erklärte uns der Arzt darüber auf. Es sei soweit alles in Ordnung was das Rückenmark anbelangt. Auch das Becken sei in Ordnung. Er meinte, er hat sich gewaltige Quetschungen im gesamten hinteren Bereich zugezogen.

Jetzt kommt es auf ihn an, ob er die Kraft hat das durch zu stehen. Die Blase und der Darm müssen funktionieren. Wobei die Blase vorrangig ist. Das müsse jetzt am Nächsten Tag geschehen. Von selber, ansonsten muss der Tierarzt nachhelfen. Und das ist bestimmt nicht angenehm. Und so fuhren wir dann wieder nach Hause. Wir waren alle fertig. Der Winni sowieso und meine Frau am meisten. Ich machte mir dann große Vorwürfe, das ich die blöde Balkontür nicht richtig zumachte. Aber sie war schon öfters offen (gekippt). Vor allem im Sommer und nie hatte einer der beiden versucht, da rein zu springen.

Es hieß erst mal abwarten. Wir legten in auf den Boden und er robbte sofort unter seinen Sessel auf dem er normalerweise immer liegt. Wir ließen ihm seine Ruhe. Mehr konnten wir im Moment nicht tun. Aber wir schauten ständig nach ihm. Er wollte nur schlafen. Und ich sagte, im schlaf erholt sich ein Tier am besten. Nach 2-3Stunden trug ich ihn zum Katzenklo, vielleicht musste er ja mal. Ich nahm ihn vorsichtig hoch, doch das tat ihm sehr weh, denn er miaute. Also sagte ich mir, wenn er wirklich muss, dann macht er das selber. Am selben Abend passierte aber nichts. Als wir schlafen gingen, nahmen wir ihn mit und legten ihn neben das Bett. Was ihn sehr beruhigte. Die Nacht verlief ruhig.

Am nächsten Morgen, meine Frau war schon sehr früh aufgestanden, kam sie ins Schlafzimmer und sagte voller Freude, der Winni war auf dem Katzenklo und hat sein kleines Geschäft gemacht. Er hat sich wirklich mit aller Kraft ins Bad geschleppt nur um sein kleines Geschäft zu erledigen. Das will erst mal vollbracht sein. Danach war er ganz schön geschafft, aber er nahm sogar etwas Futter an. Legte sich aber gleich wieder zum schlafen hin. Die kleine Emely hat das natürlich auch gespürt, das mit dem Winni etwas nicht stimmte. Sie war sehr zurückhaltend ihm gegenüber. Gegen 13°° ging's wieder zum Tierarzt. Er meinte, es ist ein gutes Zeichen wenn er von selber aufs Katzenklo geht. Jetzt muss nur noch der Darm Funktionieren. Und die Quetschungen müssen wieder abklingen. Das braucht jetzt seine Zeit und er muss das auch wollen. Er gab ihm noch zwei Spritzen, eine war zum Darm anregen. Wir fuhren wieder heim.

Und der Samstag verlief weiter hin ruhig. Gegen Abend robbte er ein wenig durch die Wohnung. Immer nur kleine Stücke, denn man sah das ihn das sehr anstrengte. Aber der Wille ist da. Und das war ein gutes Zeichen. Am Sonntag Morgen dann, machte er sein Großes Geschäft und wir waren doch sehr erleichtert. Denn er ist für uns was ganz besonderes. Und der Gedanke das er... Aber alles ist gut geworden. Mit jedem Tag wurde es ein klein wenig besser. Nach 4 Tagen versuchte er das erste mal wieder richtig zu stehen, aber er sackte immer wieder zusammen. Und so robbte er dann wieder. Und war fast wieder der Alte. Nach weiteren 3 Tagen klappte es dann mit dem Stehen, aber er hinkte stark, mit beiden Hinterläufen. Wieder beim Tierarzt zur Nachuntersuchung, meinte dieser, er muss das halt alles selber wollen. Denn die Quetschungen waren extrem. Das kann schon mal 3-4 Wochen dauern. Aber er war sehr zuversichtlich.

Tja und nach fast 8 Wochen, war er fast wieder ganz der Alte. Bis auf eine Kleinigkeit. Er humpelt mit dem Linken Hinterlauf noch ein wenig. Was ihn aber in keinster weise beeinträchtigt. Er kann sogar wieder die Emely jagen. Ein schöner Anblick. Er hat gekämpft und gewonnen. Er hatte mehrere Schutzengel, als dieser Unfall passierte. Soviel ist sicher. Und an dieser Stelle möchte ich es ganz klar sagen, lassen sie bitte nie, niemals, die Balkontür gekippt wenn Stubentiger alleine bleiben müssen. Das war uns eine große Lehre! Dem Winni geht`s jetzt wieder sehr gut. Nichts erinnert mehr an diesen schrecklichen Unfall. Und er hinkt auch nicht mehr und ist wieder ganz der alte. Gott sei Dank.

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