Lukas: *Mai 2008
12.05.2010
Bei Familie
Schwarz haben sich zwei weitere Samtpfoten in die Herzen ihrer
neuen Menschen eingeschlichen.... Aus dem Tierheim in
Waldenburg. Lea und Lukas. Ein Jahr lang im Tierheim und niemand
wollte sie haben. Dieses hübsche Geschwisterpaar das gerade mal
ein Jahr alt ist. Sie wurden mit c.a. 6 Wochen "entsorgt" wie
ein Tetrapack! Eine ganz besonders traurige Geschichte um die
beiden, die jetzt bei uns ihr Katzenleben genießen dürfen.
Doch wie fing alles an?
Nun, wir waren seit 4 Jahren nicht mehr in einem Tierheim. Und
Anfang Juni wollten wir mal ins Tierheim nach Waldenburg das nur
15 Autominuten von uns entfernt liegt. Ich war schon irgendwie
Skeptisch, ob es gut sei ins Tierheim zu fahren. Aber meine
liebe Frau bestand darauf. Als wir dort ankamen und in der
Katzenabteilung standen, waren wir schon erstaunt wie viele
Katzen dort sind. In einem Zimmer das c.a. 8qm groß war, waren
zwei junge Katzen die etwas sonderbar ausschauten. Zumindest
verrieten dies ihre traurigen Augen. Eine von den beiden kam
sofort auf uns zu. Die andere saß auf dem großen Katzenbaum,
eher zurückhaltend. Wir fragten was mit den beiden sei. Man
erklärte uns das sie zusammen mit zwei weiteren im Mai 2008
ausgesetzt gefunden wurden. Alle vier waren zu dem Zeitpunkt
c.a. 6-8 Wochen alt und hatten Katzenschnupfen. Die Rettung der
vier kleinen überlebten nur diese beiden (Lea & Lukas).

Meine Frau sah mich mit
großen und sehr fragenden Augen an..... Oh nein, bitte nicht!
Wir haben doch vier und wer weiß ob die sich überhaupt
vertragen. Aber meine Hunderttausende Gründe gegen weiteren
Katzenzuwachs waren vergeblich. Die Frau vom Tierheim erklärte
uns das beide den chronischen Katzenschnupfen haben, dieser aber
keinesfalls für andere Katzen ansteckend sei. Bei der kleinen
Lea ist er nicht ganz so ausgeprägt wie bei dem Lukas. Die
Katzen können damit sehr gut leben und der Aufwand den man damit
hat (Augen immer mal wieder sauber tupfen) hält sich in Grenzen.
Lukas war sowieso ein Wackelkandidat, der aber einen ungeheuren
Drang zum Leben hat. Wenn gleich auch sein junges Katzenleben immer wieder auf der
Kippe stand. Er war sehr krank und niemand wußte ob er es
überhaupt schafft. Durch die nichtbehandlung des
Katzenschnupfens hat er schlimme Folgeschäden davongetragen.

Er hat tränende Augen und
Probleme mit dem Atmen. Größere Anstrengungen sind Gift für ihn.
Dann muß er immer husten. Was zwar ziemlich heftig aussieht,
aber zum Glück nicht so oft vorkommt. Man nahm sich viel Zeit
für die beiden und auch der behandelte Tierarzt war sehr
zuversichtlich das Lukas eine Chance verdient. Räumte aber
gleichzeitig ein, das niemand vorhersagen kann wie sich sein
Gesundheitszustand entwickeln wird und wie lange er Lebt. Lea
ist erheblich robuster als ihr Bruder und sie hat auch
überwiegend nur mit einem Auge Probleme. Jetzt sind beide ein
Jahr alt. Jetzt, wie muß man sich das vorstellen mit den Augen?
Immer wieder ist im Internet von "rotzenden" Katzen die Rede.
Dies kann ich nicht bestätigen, die Augen tränen zwar, aber die
Flüssigkeit ist ziemlich fest und wird auch immer gleich
entfernt. Diesen Vorgang machen wir in der Regel 5-6mal am Tag.
Auch die Aussagen das die Katzen mit Katzenschnupfen die Wohnung
verunreinigen, kann ich nicht bestätigen. Ich hab noch keine
unschönen Flecken irgendwo entdeckt.

Im Tierheim erklärte man
uns, das zwar viele Leute ins Zimmer von Lea & Lukas gehen, aber
wenn sie dann die Augen sehen, dann geht die Tür wieder sehr
schnell zu.... Nun wir gingen nicht so schnell und blieben erst
mal eine weile in dem Zimmer. Irgendwann kam der kleine Lukas
vom Katzenbaum runter und lief in meine Richtung, er schnurrte
ganz zart und ich nahm ihn auf meinen Arm. Er schmiegte sich
regelrecht an mich, so als wolle er sagen, bitte nimm mich mit,
ich bin auch ganz lieb. Lea hingegen war da schon etwas
aufgeweckter und rannte im Zimmer auf und ab, legte sich immer
wieder auf die Seite und Gurrte wie ein Täubchen als wolle sie
sagen: Vielleicht nehmen uns ja die beiden mit in ein schönes
Zuhause. Die beiden gibt es nur zusammen erklärte man uns. Immer
wieder die fragenden Blicke meiner Frau die mich trafen... Ich
sagte: Lass uns das gut überlegen, wir schlafen erst mal eine
Nacht darüber und entscheiden dann. Zu diesem Zeitpunkt hatte
meine Frau bereits entschieden.... Der Abschied an diesem Tag
von den beiden fiel meiner Frau doch sichtlich schwer. Kaum im
Auto kamen die ersten Argumente. Bitte laß uns doch die beiden
holen, die nimmt niemand und die werden sonst ewig im Tierheim
verbringen.

Ich muß gestehen, das
Schicksal der beiden berührte mich doch auch erheblich und ich
mußte daran denken, wie abgebrüht muß ein Mensch sein, der vier
junge Kätzchen einfach wie einen Tetrapack irgendwo in der Pampa
entsorgt? Was sind das für Idioten. Man kann doch Tiere wenn man
sie nicht haben will abgeben, aber doch nicht entsorgen! Das
sind doch Lebewesen. Dieser Verantwortungslosigkeit der Kreatur
Tier gegenüber, da ist wohl nur der Mensch dazu in der Lage.
Strafen die hierfür vorgesehen sind, können als Lächerlich
bezeichnet werden und solange diese Strafen nicht drastisch
erhöht und verfolgt werden, wird es weiterhin so laufen, das man
Tiere einfach entsorgt wenn man sie nicht haben will. Wie viele
Tiere jetzt wieder ab Juli wenn die Urlaubszeit anfängt,
ausgesetzt werden, und ihrem Schicksal überlassen werden. Können
diese Menschen noch ruhig schlafen? Wenn man das Tier womöglich
als Welpe geholt hat, großgezogen hat und jetzt möchte man in
den Urlaub und weiß nicht wo hin mit ihm? Na klar, aussetzen,
was sonst. Und dann ab in den wohlverdienten Urlaub..... Eine
noch Primitivere Lösung fällt dem Mensch dazu nicht ein. Sie
merken schon, wenn es um dieses Thema geht, bin ich nicht mehr
zu halten, aber man muß es immer wieder sagen. Und ich werde
nicht Müde es immer wieder zu sagen. Denn, wenn mich etwas
aufregt, dann ist es die Tatsache, wie sorglos wir mit der
Kreatur Tier umgehen.

So,
jetzt aber wieder zu den beiden Katzen Lea &
Lukas. Nach dem wir wieder zu Hause waren,
lag es nun an meiner Frau, mich zu
überzeugen, das es Sinn macht die beiden zu
holen. Es klang irgendwie:
"Und Gott sprach zu mir,
nimm diese beiden kranken Kätzchen zu dir. Ich habe im Moment
keine Zeit für sie. Sorge gut für sie und lasse es ihnen an
nichts fehlen. Eines Tages wenn ich wieder mehr Zeit habe, hole
ich sie wieder zu mir."

Also war es beschlossen.
Meine Frau rief im Tierheim an und erklärte das sie die beiden
holen wird. Gut sagte man, wir werden sie noch mal dem Tierarzt
vorstellen und übermorgen können sie die beiden dann abholen.
Als die beiden bei uns eintrafen, waren unsere Samtis
natürlich nicht besonders begeistert. Ein gefauche und
geknurre in jeder Ecke. Ein aufreibende zeit begann. Winni
war der einzigste der das alles ein bisschen lockerer
hinnahm. Aber die Muze.... sie war in Lauerstellung. Denn
Lea hatte gleich von Anfang an versucht die Muze zu
unterwerfen. Nur, Muzeline ließ das nicht mit sich machen.
Das dauerte 2 Tage, bis Muze den Spieß umdrehte und sich
dazu entschloss etwas dagegen zu tun. Sie war plötzlich in
der Rolle der überlegeren. Schließlich war sie ja zuerst da.
Und so begann eine Zeit, mit Rangordnung Verteilung. Lukas
hielt sich aus allem raus. Denn, er war geschwächt. Seine
Krankheit machte ihm doch sehr zu schaffen.

Sein Katzenschnupfen
und seine tränenden Augen ließen ihn erst mal nicht zur Ruhe
kommen. Hinzu kam das nach etwa 3 Tagen sein linkes hinteres
Pfötchen immer mal wieder blutete. Wir machten einen Verband
und ab zum Tierarzt. Dieser stellte fest, das es eine Art
Schuppenflechte sei. Es konnte durchaus sein, durch die
Umstellung vom Tierheim, wo es kein Teppichboden gibt, jetzt
in einer Wohnung mit Teppichboden, das er da überempfindlich
reagiere. Er bekam einen Fachgerechten Verband und
Antibiotika in Form einer Paste. Die Paste mußten wir ihm
einmal Täglich für 1 Woche geben. Der Verband war natürlich
schon nervig für ihn. Aber er kam nach einem Tag wunderbar
damit zurecht. Und sein Appetit war ausgezeichnet. Er konnte
immer fressen. Aber danach verkroch er sich immer wieder auf
seinen Lieblingsplatz, auf die Zudecke im Schlafzimmer.
Immer wieder, oder genauer gesagt bekam er mindestens 2-3
mal am Tag einen Hustenanfall. Dies kündigte sich immer mit
einem würgen und seitlichem Kopfbewegen an. Dann hustete er
und nach diesem Anfall atmete er immer stark mit dem Mund.
Das schaut für jemanden der wie wir, so was noch nie gesehen
hat, ziemlich beängstigend aus.

Als nach einer Woche
der nächste Tierarztbesuch anstand um zu sehen wie die Pfote
abgeheilt war, fragten wir gleich, was man gegen den Husten
tun kann. Das beste wäre es wenn man ihn Inhalieren ließe
mit Kochsalzlösung. Seine Lunge ist sehr stark in
mittleidenschaft gezogen, alles bedingt durch den nicht
rechtzeitig behandelten Katzenschnupfen. Die Pfote war sehr
schön abgeheilt. Es kann sein, das es immer wieder mal sein
kann, das die Pfoten bluten, erklärte man uns, da sein
ganzer Organismus geschwächt sei. Wir bekamen noch
Augentropfen mit und sollten uns in zwei Wochen noch mal
melden. Auf meine Frage hin, ob für Lukas diese ganzen
Strapazen überhaupt vertretbar sind, bekam ich die Antwort:
Ja, er ist ein Kämpfer und niemand hatte geglaubt, das er es
überhaupt so weit schaffen würde! Gut, als wir wieder zu
Hause waren, setzte ich mich an den PC und suchte im
Internet nach Inhalationsgeräten. Ich wurde fündig und
bestellte so ein Teil. 69,-Euronen wurden fällig für das
Teil. Als es kam wurde es gleich mal ausprobiert. Kapseln
mit Kochsalzlösung waren auch dabei. Eine Kapsel hat 2,5ml
und reicht etwa für 5 Minuten.

Das Gerät arbeitet im
Prinzip wie eine Luftpumpe für Aquarien, ein kleiner
Kompressor erzeugt Luft über eine Membrane und fördert diese
dann in einen Luftschlauch. Am anderen Ende des Schlauches
ist ein Behälter, gefüllt mit der Kochsalzlösung. Dadurch
wird die Kochsalzlösung mit der stark komprimierten Luft
angereichert und gelangt als sehr feinen Nebel aus dem
Behälter. Das Ergebnis ist ein feiner Nebel der die Atemwege
wieder freier macht. Ist auch für uns Menschen eine
hervorragende Möglichkeit wenn wir Schnupfen haben. Das
Gerät ist aber nicht gerade leise und erschreckte den Lukas
sehr. Jetzt hieß es tricksen. Er kommt zum Inhalieren in die
Katzentransportbox, darüber kommt eine Wolldecke. Ich habe
einen kleinen Holzständer gebastelt, damit wir den Behälter
mit der Kochsalzlösung nicht halten müßen. Der Ständer wird
dann unmittelbar vor das Gitter der Transportbox gestellt.
Gerät wird eingeschaltet und das Inhalieren kann beginnen.
Am Anfang war es für ihn schon etwas doof, aber mit jedem
weiteren mal wurde es besser und er hat sich mittlerweile
daran gewöhnt. Am Anfang wurde noch jeden Tag Inhaliert,
jetzt wird nur noch jeden zweiten Tag Inhaliert. Es hat sich
herausgestellt, das die Anschaffung dieses Gerätes
Goldrichtig war. Seine Hustenanfälle haben sich verringert
und sind auch nicht mehr so lang anhaltend.

Nach drei Monaten mit
Inhalieren können wir sagen, das sich sein Zustand um
einiges gebessert hat. Er hat auch Gewicht zugelegt. schläft
nicht mehr nur den ganzen Tag, sondern nimmt Teil am Leben.
Am Leben mit uns und seinen Samtpfötigen Mitbewohnern. Er
ist ein richtig kleiner knuddeliger Kater geworden. Ich
nenne ihn mittlerweile: Lukatoni... Er ist ein kleiner
Raufbold geworden. Das hätte wohl niemand gedacht.

Was bleibt ist die
Erinnerung. Die Erinnerung an dich kleiner Lukas. Du wurdest im Juni
2008 von Skrupellosen Menschen zusammen mit deiner Schwester
ausgesetzt. Liebe Menschen fanden euch dann und brachten euch ins
Tierheim. Du mein kleiner Lukas hast durch das aussetzen,
gesundheitlich großen Schaden genommen. Es begann eine Odyssee mit
dem Leben und dem Tod. Immer wieder mußte man dich zum Tierarzt
bringen, der dich nie aufgab. Du und deine Schwester, ihr
verbrachtet 1 Jahr im Tierheim. Niemand wollte euch ein neues
Zuhause geben. Bis wir kamen und euch beide mitgenommen haben. Eure
beider Dankbarkeit, das ihr aus dem „Gefängnis Tierheim“ raus
gekommen seit, habt ihr immer wieder auf unterschiedliche Art und
weise gezeigt. Immer wieder mußten wir mit dir zum Tierarzt, den
dein Zustand war so manches mal sehr bedenklich. Und dennoch, gab
dich der Tierarzt nie auf. Immer wieder versuchte er dir zu helfen.
Du hast uns nach dem Tod von deinem Kumpel Simba vor gut 2 Monaten
soviel Kraft gegeben. Und jetzt hat dich deine eigene Kraft
endgültig verlassen. Dein kleiner geschwächter Körper konnte und
wollte nicht mehr. Nach 11 wunderschönen Monaten mit dir bist du am
12.05.2010 friedlich eingeschlafen. Du gingst über die
Regenbogenbrücke zu deinem Kumpel Simba. Lieber Lukas, du warst ein
lieber kleiner Kater, den wir nie vergessen werden.
Mach`s gut
mein kleiner Lukatoni...

Lukas virtuelles Grab

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© Stephan Schwarz
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